Muskelaufbau| Beweglichkeit | Ausdauer | Muskelanatomie | Leistungstraining – Leistungssteigerung durch Biokinematik Training

Muskelaufbau| Beweglichkeit | Ausdauer | Muskelanatomie | Leistungstraining – Leistungssteigerung durch Biokinematik Training 2016-10-27T17:21:37+00:00

Grundsätzliches über die Muskulatur, Bindegewebe, Muskelketten und Faszien

Warum Muskeln so wichtig sind:

Muskeln machen nicht nur stark, sie halten uns auch schlank, fit und gesund. Etwa 40% des Körpers ist Muskulatur – auch die inneren Organe sind von Muskeln durchzogen.

Die Bewegungs- und Haltemuskulatur lässt uns aufrecht gehen, schützen und bewegen die Gelenke. Der zweibeinige Gang des Menschen ist eine Perfektion – kein Tier hat die Ausdauer eines Menschen bei einem schnellen Lauf / Gang. Ein laufender, durchschnittlich trainierter Mensch kann problemlos ein Pferd oder eine Antilope auf Dauer vollkommen erschöpfen – auch wenn unsere Maximalgeschwindigkeit beim Laufen geringer ist. In der Ausdauer sind wir den Vierbeinern weit überlegen.

Nicht zuletzt verbrennen aktive Muskeln Fett. Wer also etwas für sich tun will, sollte seine Muskulatur erhalten oder sogar stärken. Für den Erhalt gilt ein biologisches Grundgesetz: Bekommen die Muskeln keine Reize, weil sie aus Bequemlichkeit nur minimal eingesetzt werden, verharren sie zunächst auf dem einmal ausgebildeten Niveau und bilden sich schließlich sogar zurück.

Unter Stärkung versteht sich aber keine isolierte Kräftigung, sondern der Einklang aus Beweglichkeit, Kraft und Ausdauer. In der Praxis wird heutzutage die Beweglichkeit am meisten vernachlässigt, woraus unzählige Schmerzprobleme entstehen (Rückenschmerz, Nackenschmerz, Meniskusschmerz, Achillessehnenschmerz, ISG-Blockaden, Fussschmerzen, Tendopathien (Sehenreizungen), Ischialgie, Bandscheibenvorfall…bis hin zu Arthrose).

Auch wenn hier aus Vereinfachungsgründen von Muskeln gesprochen wird, umfasst die Biokinematik das Denken in Muskelketten und sogenannten Faszien. Dieser Begriff schliesst das den Muskel umhüllende und durchziehende Bindegewebe mit ein, dass bei Funktionsstörungen eine große Rolle spielt und das Bindeglied zwischen Emotionen / Unfallschocks zur Bewegungsfähigkeit und Funktion der Muskulatur nach aktueller wissenschaftlicher Forschung darzustellen scheint.

Fehlende Bewegung schwächt die Muskulatur

Ein durch Gipsverband ruhig gestelltes Bein nimmt bereits nach relativ kurzer Zeit deutlich an Umfang ab. Ursache dafür ist nicht ein Fettabbau, sondern ein Verlust an Beinmuskulatur. Oft genügen schon Tage Ruhigstellung, um in der Muskulatur einen Funktionsverlust zu haben. Insbesondere die Beweglichkeit verringert sich am schnellsten, das gilt z.B. für Operationen mit anschliessender Ruhigstellung bei Sportverletzungen. Beispiel Bein: Hier entstehen schnell typische Beuge- oder Streckdefizite, unter denen das Kniegelenk langfristig sehr leidet und welche die Ursache für Meniskusverletzungen und Schmerzen darstellen können.


Muskeln sind nicht nur etwas für Männer

Die fettfreie Körpersubstanz (Muskeln, Knochen, Organe und Körperwasser), die so genannte Lean Body Mass, macht bei Frauen etwa 70 bis 80 Prozent des Körpergewichts aus, bei Männern sind es dagegen 80 bis 90 Prozent (je nach Trainingszustand). Da Muskeln stoffwechselaktives Gewebe sind und auch im Ruhezustand Energie verbrauchen, haben Männer deshalb einen höheren Grundumsatz als Frauen.

Frauen sollten aber keine Angst vor zuviel Muskeln haben, denn Muskulatur formt den Körper. Aufgrund vieler physiologischer Gegebenheiten(Hormonproduktion) können Frauen zudem keine riesigen Muskelmassen aufbauen.

In der Praxis ist die Muskelmasse von geringer Bedeutung, denn wie am Beispiel der Freeclimber deutlich wird, kann ein Körper auch mit wenig Muskelmasse äußerst leistungsfähig sein. Grundbedingung ist eine gute Muskelfunktion.

Aufbau und Funktion der Muskeln

Durch Zusammenziehen (Kontraktion) und Erschlaffung (Relaxation) ermöglicht das Muskelgewebe als Motor des gesamten Bewegungsapparates die aktiven Bewegungsabläufe unseres Körpers.

Die wichtigste Muskelgruppe ist die so genannte Skelettmuskulatur. Der Grundbaustein der Skelettmuskulatur sind die quergestreiften Muskelfasern, die wiederum zu größeren Muskelfaserbündeln zusammengefasst sind. Jede einzelne Muskelfaser beinhaltet kontraktile Elemente (Myofibrillen) für die Energieproduktion (Mitochondrien) sowie Energiespeicher (Glykogen).

Im Gegensatz zu anderen Muskelarten, z.B. die Darmmuskulatur, können wir die quergestreifte Muskulatur in Kraft, Geschwindigkeit und Dauer der Kontraktion bewusst beeinflussen.

Verschiedene Muskelfasern

Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass nicht alle Sportler durch die selben Trainingsmaßnahmen auch den gleichen Erfolg erzielen. Das hängt damit zusammen, dass jeder Muskel aus verschiedenen Muskelfasertypen besteht. Man unterscheidet im Wesentlichen zwei unterschiedliche Typen:

  1. Rote langsam zuckende Muskelfasern (slow-twich-fibers oder ST Fasern) sind schlank. Sie kontrahieren und erschlaffen langsam, wie der Name schon sagt. Ihre rote Farbe erhalten sie durch einen hohen Myoglobingehalt. Das Protein Myoglobin ist der Sauerstoffspeicher des Muskels. Außerdem sind sie reich an Mitochondrien. Daraus resultiert eine höhere Kapazität bei der aeroben Energiegewinnung aus Kohlenhydraten und Fetten für Ausdauerleistungen.
  2. Weiße, schnell zuckende Muskelfasern (fast-twich-glycolytic-fibre oder FTG-Fasern) enthalten weniger Myoglobin und haben damit ein blasses Aussehen. Weiße Fasern sind deutlich dicker als rote und verfügen über eine hohe Kapazität für kurzfristige, anerobe Kraftleistungen (Energie aus Kohlenhydraten ohne Sauerstoff). Die weißen Muskelfasern kommen überwiegend bei kurzen kraftvollen Bewegungsabläufen (Schnellkraft, Intervallbelastung) zum Einsatz und haben das größte Wachstumspotenzial.

In der Praxis ist der Unterschied aber nicht von Bedeutung, da der Körper in der Regel die von ihm benötigten Muskelfasern je nach Belastung aufbaut. In der heutigen Zeit ist diese Belastung leider oft sehr statisch (Haltetätigkeiten wie Büroalltag, Sitzen…) und daher geht die Geschmeidigkeit der Muskulatur verloren.

Verteilung der Muskelfasertypen

Normalerweise finden sich schnell und langsam kontrahierende Muskelfasertypen etwa zu gleichen Teilen im Körper. Die genaue Zusammensetzung der Skelettmuskulatur aus den unterschiedlichen Fasertypen ist dabei stark anlagebedingt, was für beide Geschlechter gilt.

In Einzelfällen kann das Verteilungsmuster jedoch auch 70:30 bzw. 30:70 betragen. Solche Personen sind dann entweder Kraftsportler oder Marathonläufer. Das persönliche Verteilungsmuster der Muskelfasertypen (rechzeitig) zu erkennen, kann also unter den Zielsetzungen im Leistungs- und Hochleistungssport helfen, individuelle sportartspezifische Spitzenleistungen zu realisieren bzw. die persönlichen Chancen dafür auszuloten.

Für Präferenzen im Bodybuilding wird ein hoher Anteil an weißen Muskelfasern benötigt. Zwar können sich auch rote Fasern durch Training verdicken, die weißen neigen aber stärker zu Hypertrophie(Verdickung). Durch Ausdauertraing lassen sich beispielsweise weiße Fasern in rote Fasern umbilden. In der Praxis spielt das bei der Therapie keine besondere Rolle; der Körper weiss selbst am besten, welche Fasern für welche Aktivitäten benötigt werden und baut diese durch Trainingsreize auf.

Verspannung oder Abschwächung


Die Muskulatur, die die Wirbelsäule stabilisiert, hat als aktives Spannungssystem die Aufgabe, die Wirbelsäule zu bewegen und sie gegen die Schwerkraft aufrecht zu halten.

Hierbei wirken verschiedene Muskelgruppen. Grob vereinfacht können die Muskeln entsprechend ihrer Faserzusammensetzung und Alltagsbeanspruchung zum einen in Muskeln eingeteilt werden, die eine dauerhaft erhöhte Grundspannung haben. Diese Muskeln neigen bei Fehlbelastung zur Verspannung (=Minderbeweglichkeit) oder zur Abschwächung. Einer der Hauptgründe für diese Veränderungen, welche die Grundlage für chronische Schmerzzustände und Fitnessverlust bilden, ist exemplarisch im Bild die sitzende Tätigkeit vieler Menschen über lange Zeitspannen.

Muskeln mit Tendenz zur Verspannung / Verkürzung


Vorderseite

  • Brustmuskulatur (M. pectoralis)
  • Lendendarmbeinmuskel (M. iliopsoas bzw. M.iliacus & M. psoas)
  • Adduktoren
  • Gerader Oberschenkelmuskel (M. rectus femoris)

Rückseite

  • >Schulterblattheber (M. levator scapulae)
  • >Kapuzenmuskel (M. trapezius, absteigender Anteil)
  • >Rückenstreckmuskulatur (M. erector spinae, Lendenbereich)
  • >Hintere Oberschenkelmuskulatur (ischiocrurale Muskulatur)
  • >Wadenmuskulatur (M. triceps surae)

Muskeln mit Tendenz zur Abschwächung

Vorderseite

  • Vordere tiefe Halsmuskulatur
  • Vorderer Sägemuskel (M. serratus anterior)
  • Gerade und schräge Bauchmuskulatur (M. rectus abdominus / M. obliquus internus und externus)
  • Vordere Oberschenkelmuskulatur (M. quadrizeps)
  • Vorderer Schienbeinmuskel (M. tibialis anterior)

Rückseite

  • Rhombenmuskel (M. Rhomboidei)
  • Kapuzenmuskel (M. trapezius, aufsteigender und quer verlaufender Anteil)
  • Rückenstrecker (Brust- bis Lendenbereich)
  • Kleine Gesäßmuskeln (M. glutaeus medius und minimus)
  • Großer Gesäßmuskel (M. glutaeus maximus)

 

Schwerpunkt der Biokinematik sind funktionsgestörte Muskeln, was praktisch in den meisten Fällen Verspannung / Verkürzung / Minderbeweglichkeit bedeutet. Fehlende Kraft wäre alleine kein Grund für chronische Schmerzen, mit Ausnahme von Kraftverlusten wirklich großen Ausmaßes (z.B. nach Bettlägerigkeit / Operationen).

Muskeln scheinen im übrigen die am meisten vernachlässigte körperliche  Struktur in der Medizin zu sein. Während es für alle Körperbereiche prinzipiell Fachärzte gibt, beschäftigt sich keine Arztgruppe primär mit der Muskulatur. Daher fehlt es hier an Wissen, welche Störungen rein muskulär bedingt sind und therapeutisch fälschlicherweise anderen anatomischen Strukturen zugeordnet werden (z.B. Meniskusschmerzen, Nervenschmerzen, Neuralgien, Bandscheibenschmerzen . . .).

Hier finden Sie eine Antwortliste einiger Fragen, die häufig gestellt werden.

Ein Muskel besteht aus vielen einzelnen Muskelfasern. Jede Faser ist aus vielen kleinen Getriebeelementen aufgebaut (Sarkomeren), welche die eigentliche Bewegung durchführen. In einem Muskeltraining oder im Fitness kann nur Muskelfaserbündel trainiert werden, nie eine einzelne Muskelfaser selbst. Jedes einzelne Muskelfaserbündel repräsentiert mit seinem muskulären Gegenspieler (Antagonisten) eine genau geometrisch definierte Raumrichtung. Hier wirken Zugkräfte, die immer eine spiralförmige, elipsoide Bewegungsrichtung repräsentieren.

Gerade oder kreisförmige Bewegungen kommen in lebendigen Systemen der Biologie nicht vor. Muskeln sind wie eine Art Getriebe und müssen auf der gesamten Bewegungsbahn geometrisch zu ihrem jeweiligen muskulären Gegenspieler passen. Idealerweise sollten sie in Ruhe weich und locker sein. Die Muskeln arbeiten hierbei in Muskelketten zusammen, die auch als solche auf ihrer Gesamtlänge ausreichend beweglich und kräftig trainiert werden sollten. Diese sind hierbei immer so stark wie ihre schwächsten Glieder, die häufig im Bereich der Finger-/Zehenmuskulatur zu suchen sind. Effizientes Krafttraining würde somit somit insbesondere die Kräftigung der am meisten vernachlässigten kleinen Muskeln voraussetzen.

Bei Überbelastung tritt ein Schmerz im Regelfall am stärksten Teil des Systems auf, beispielsweise im Bizeps / Trizeps oder der Oberschenkelmuskulatur.
Folgen eines zu einseitigen Krafttrainings:

Es ist interessant zu beobachten, wie viele Menschen sich im Sinne eines Schönheitsideals mit einer permanenten Anspannung der Bauchmuskulatur (Einziehen des Bauches) bewegen. Verbunden mit Bauchmuskeltraining entstehen hier typischerweise die ersten Probleme, die sich in Rückenschmerzen (Hexenschuss) äußern. Dies ist kein Votum für “No Sports”, dennoch sollte die Muskulatur besser in Länge trainiert werden. Dies geschieht am Besten durch natürliche Bewegung ohne Fitnessmaschinen. Besonders zu empfehlen ist (Barfuß-)Laufen, Rennen, Bergwandern etc. auf natürlichen, unebenen Untergründen.

Dieser weitreichende Aspekt sollte bei muskulärem Kräftigungstraining (z.B. Muskuläre Kräftigungs-Therapie) zukünftig berücksichtigt und umgesetzt werden. Kraftmaschinen zwingen den Körper in unnatürliche Bewegungsbahnen und verkürzen in der Regel zusätzlich die Muskulatur. Dies kann zu chronischen Schmerzproblemen führen oder diese verstärken, Durch ein geeignetes, speziell abgestimmtes Beweglichkeits-Übungsprogramm(Konzept der Biokinematik sind aber meist schnell wieder in den Griff zu bekommen. Ein Muskel sollte ausdauernd kräftig und BEWEGLICH sein, um maximal viel Leistung zu erbringen.

Wie Abhilfe schaffen und Vorbeugen?

Über ein entsprechendes muskuläres Trainingsprogramm zur Verbesserung der Muskelfunktion und Beweglichkeit. Wir bieten einen insgesamt viertägigen, intensiven Workshop im Sinne einer effizienten Schmerzprophylaxe und vorbeugender Arthrosetherapie an.

Nähere Informationen immer aktuell HIER. Grundsätzlich befürworten wir jedes Training, dass die Beweglichkeit aufrecht erhält oder schnell verbessern kann. Die Biokinematik Übungen leisten dies auf effiziente Art und Weise und haben sich seit Jahrzehnten bewährt.

Beispiel eines sportlich ambitionierten Radfahrers:

Durch die permanente Fixierung des Fußes in der Pedale kann nur ein Teil der Oberschenkelmuskulatur für die Kraftübertragung herangezogen werden. Die Kraftwirkung dieser Muskelfasern ergibt sich mathematisch aus dem geometrischen, spiralartigen Verlauf, den jeweils nur bestimmte Muskelfaserketten leisten können. Entgegen einem gesunden Normalzustand wird durch eine sehr einseitige sportliche Belastung jeweils nur ein Teil der Muskelfasern auf Höchstleistung trainiert, während der restliche Teil eher passiv und unttrainiert bleibt. Die Bewegungsbahn wird auf diese Weise insgesamt unphysiologisch verändert – die Bewegungsgeometrie entgleitet, und führt in der Folge zu Schmerzen, Missempfindungen und muskelbedingten (myogenen) Lähmungen.

Folgen von isoliertem Krafttraining:

Diejenigen Muskelfasern, die trainiert werden, führen zu einem Muskelwachstum (Sarkomer-Wachstum) im Sinne einer parallelen Anordnung nebeneinander. Durch diese „Schwellung“ verkürzt sich in der Regel die absolute Faserlänge. So geht die Muskelbeweglichkeit immer mehr verloren. Spürbar wird das durch eine Verhärtung der Muskulatur auch im Ruhezustand, wie sie bei Bodybuildern extrem häufig anzutreffen ist. Durch ein derartig überzogenes Krafttraining wird Muskelgeometrie des Agonisten/Antagonisten fundamental verändert.
Die Entstehung von muskulären Problemen (Schmerz, Kraftlosigkeit u.a.)

Hier kommt nun das Körperbewusstsein und die Eigenwahrnehmung des Körpers ins Spiel:

Das Gehirn erhält permanent unzählige Informationen über die Position der Muskeln und damit auch der Position der einzelnen Knochen. Die Anspannung und die eventuellen Belastungen in den Gelenken (die im Idealfall immer unbelastet, d.h. kraftfrei arbeiten) werden permanent gemessen und reguliert. Wird der vom Körper vorgegebene Schwellenwert überschritten, darf die Bewegung nicht mehr ausgeführt werden, da der Körper sich sonst selbst verletzten würde. Es erfolgt ein automatisches Ausweichen auf unsanftere, einfachere Bewegungsmuster. Sofern auch dies im weiteren Verlauf zu Überbelastungen führt, muss ein Schmerz die Bewegungsausführung vorab verhindern.

Ort des Schmerzes

Der Schmerz tritt – logisch nachvollziehbar – an dem Muskel im Körper auf, der die Überbelastung verstärkt. Während die eigentliche Störung in der Agonistenkette (Spieler) durch eine Veränderung der Muskelgeometrie bedingt ist, tritt der Schmerz an der Stelle der Antagonistenkette (Gegenspieler) auf, die am effektivsten die krankhaft gestörte Bewegung verhindert. Innerhalb dieser Kette ist es dann meist der jeweils stärkste Muskelbereich, der schmerzt. Dieser könnte die gegenüberliegende Muskelkette am meisten schädigen und wird deshalb über ein Schmerz zum „Stillhalten“ gezwungen. Insofern wird der Schmerz meistens in der intakten Körperregion wahrgenommen (Rücken, Knie, Ellenbogen, Kopf …) während der gestörte Körperbereich unbewusst bleibt. Dies erklärt auch viele unnötige Operationen und Interventionen an der falschen Körperstelle mir dann echter Schädigung des menschlichen Körpers. Der Ansatz der Biokinematik ist dagegen sanft und nicht körperverletzend, wenngleich das Training überaus anstrengend und zeitintensiv sein kann (in Abhängigkeit vom Ausmass der Muskelfunktionsstörung und der Beweglichkeit).

Eine ganzheitliche Therapie von chronischem Schmerz ist überaus wichtig
Das muskuläre Therapiekonzept der Biokinematik ist sehr sinnvoll – findet aber auch natürliche Grenzen:

Diese beginnen bereits mit der mentalen Einstellung. Die Willkürmuskulatur eines Menschen wird nur das durchführen und sich entsprechend umbauen, was der Betroffene wirklich erreichen will. Darüber hinaus ist auch die mentale Konfrontation mit dem Schmerz eine Notwendigkeit, diesen auf der körperlichen und geistigen Ebene wieder aufzulösen. Deshalb ist auch eine vorab rein gedanklich ausgeübte Bewegungsdurchführung oft hilfreich.

Grundsätzlich muss auch – wie bei jeder Krankheit – eine innere Bereitschaft zur Gesundung bestehen.
Sollte ein Ereigniss/Unfall bei dem Schmerzgeschehen eine Rolle gespielt haben, kommt es bei der Durchführung der Muskelübungen manchmal zu einem „Wiedererleben“ der Situation. Dies deutet auf einen mentalen Verarbeitungsprozess hin, der in manchen Fällen zusätzlich auf der Ebene des Unterbewußtseins therapeutisch aufgearbeitet werden muss. Dies mündet in der Praxis für ganzheitliche Heilkunde in andere Therapieformen, die mehr die Auflösung von Schock, Unfalltraumatisierungen und emotionale Blockaden zum Ziel haben.

Eine derartige Vorgehensweise, kombiniert mit dem muskulären Behandlungskonzept der Biokinematik hat schon in vielen Fällen zur Ausheilung von langjährigen Beschwerden geführt. Weitere Informationen hierzu finden sich am Besten in dem Buch „Ganzheitliche Heilkunde für Körper, Geist und Seele“.

Letzten Endes mündet das eine in das andere:

Eigenverantwortlich das gestörte Gleichgewicht von Körper und Geist wieder herzustellen, indem die wirkliche Ursache gefunden und therapiert wird. Körperlich wird der Erfolg über die Entspannung der Muskulatur (Tonussenkung) und die damit verbundene Schmerzfreiheit spürbar. Daneben ist ein Lebensgefühl von Agilität, Wohlbefinden und Fröhlichsein häufig.
Natürlich gibt es auch die Fälle, wo durch den Schmerz ein subjektiver Krankheitsgewinn erreicht wird. Vielleicht lockt eine Chance auf Frühverrentung oder der Schmerz ist zu einem Mittel geworden, um Aufmerksamkeit von Anderen zu bekommen. Findet der Therapeut hier das tatsächliche Bedürfnis des Patienten und kann die entsprechende Angst oder Blockade auflösen, wird der Schmerz verschwinden, da er nicht primär eine körperliche Ursache hat. Diese Fälle sind ab und zu in meiner Praxis und ein schönes Beispiel für eine wirklich ganzheitliche Betrachtung von Schmerzen oder sonstigen Beschwerden.

Die Schulmedizin beginnt ebenfalls langsam bei chronischen Schmerzen multimodal zu arbeiten, findet aber derzeit faktisch Begrenzungen, wenn es in Richung emotionale Blockaden, spirituelle Problemfelder und Energiemedizin geht. Oft werden diese Bereiche vorschnell als „unwissenschaftlich“ abgetan und man verzichtet auf diese Weise leider auf Therapieoptionen, die sich in der Praxis bereits gut bewährt haben – auch wenn sie nicht mit standardisierten Patientenstudien (möglichst noch Doppel-Blind) unterlegt sind. Gute Therapeuten müssen sich nicht notwendigerweise wissenschaftlich beweisen, sie beweisen sich bei ihren Patienten tagtäglich.

NEIN.

Die Bandscheibe selbst ist nicht mit dem Nervensystem verbunden. Eine Reizübermittlung an das Gehirn (Schmerz) kann durch sie somit nicht stattfinden. Entgegen der derzeitigen schulmedizinischen Auffassung ist die Bandscheibe nicht Auslöser, sondern Leidtragende der zugrundeliegenden muskulären Störung, die über Zugkräfte der hüftbeugenden Muskulatur den Vorfall oder die Vorwölbung verursacht. Auch eine Einengung des Nerven erscheint unwahrscheinlich, da ein Druck auf einen Nerv nirgendwo sonst im Körper Schmerzen an entlegenden Orten auslöst. Nur ein lokaler Druckschmerz oder nach Minuten eine schmerzlose Funktionslosigkeit des nerval versorgten Bereiches entsteht. Warum sollte es also ausgerechnet bei der Bandscheibe anders sein? Immerwährende Wiederholung macht die These der Nerveneinengung durch die Bandscheibe physikalisch nicht haltbarer. Einrisse im Faserring der Bandscheibe treten bereits bei Kindern auf, die über keine Schmerzen berichten.

Die Bandscheibe ist Leidtragende einer chronischen muskulären Fehlbelastung

Konkret handelt es sich bei den Ursachen für den (lokal dort begrenzten) Bandscheibenschaden ebenso wie den ausstrahlenden Schmerzen und Lähmungserscheinungen bis hinunter in die Zehen um geometrische (nicht kraftabhängige) Fehlfunktionen der vorderen wirbelsäulennahen Muskulatur.

Diese Muskulatur führt die Relativbewegungen zwischen dem Bein und der unteren Wirbelsäule durch. Damit entspricht diese Muskulatur der funktionellen Mitte des Körpers. Ohne diese ist eine Bewegungsübertragung von der Wirbelsäule zum Bein nicht möglich. Sie ist bei der heutigen vornehmlich sitzenden Tätigkeit der modernen Menschen oft verkürzt und in schlechtem Trainingszustand. Bei einer verkürzten vorderen Wirbelsäulenmuskulatur werden die darunterliegenden Bandscheiben wegen des permanent (auch im Schlaf) wirkenden Muskelzuges nach hinten in Richtung Rückenmark verdrängt und verlagert (Bandscheibenschaden).

Kommt zu der muskulären Verkürzung noch eine Asymmetrie der Binnenstruktur des Muskels hinzu, dann entstehen zusätzlich Schmerzen und ggf. Lähmungen. Die Ursache von Schmerzen und meist myogenen Lähmungen sind im funktionsgestörten Muskel zu suchen und nicht in den Bandscheiben, Nerven, Wirbelgelenken o.ä. .

Verantwortlich für Schmerzen im lumbosakralen Bereich (unterer Rücken) sind im Regelfall geometrische Fehlfunktionen in (beispielhaft) den folgenden Muskeln: M.rectus abdominis, M.rectus femoris, M.adductor magnus, M.gluteus maximus ibiale, M.iliacus und M.psoas. 

Aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften (Füllvolumen bleibt gleich) leitet sie Stöße eher ungebremst weiter. Die Stoßdämpfung erfolgt in Wirklichkeit und damit entgegen der derzeit noch üblichen medizinischen Fachmeinung durch Muskelanspannung, je nach Körperposition hauptsächlich im Fuß, dem angewinkelten Kniegelenk, sowie im S-förmigen Verlauf der Wirbelsäule.

Hierdurch kann die Stossdämpfung auch wohldosiert und Bewegungen gezielt abgebremst werden. Eine passive Struktur wie die Bandscheibe kann dies nicht leisten und hat hingegen die wichtige Aufgabe, die Rumpf-/Kopfbewegung überhaupt erst zu ermöglichen und die Wirbelkörper in jeder Körperposition optimal als Einheit miteinander zu verbinden. Je mehr Wirbelkörper und Bandscheiben ein Wirbeltier hat, umso beweglicher ist es.

Aus diesem Grund verfügen auch Fische über Bandscheiben. Der Sinn als Stossdämpfer ist im Wasser bei Schwerelosigkeit nicht gegeben.

Die bei Menschen gemessene Größenminderung zum Abend hin ist daher eine Folge der zunehmenden Verkrampfung/Einsteifung durch einseitige Tätigkeiten (Sitzen!) und führt zu einer stärkeren Krümmung im Bereich des Beckens und der Wirbelsäule. Nachts im Schlaf wird Energie getankt und man ruht sich aus – die eigentliche Körpergröße kehrt zurück. 

Beim Sitzen am Computer werden meist beide Arme aufgelegt, die Schultern hochgezogen und der Kopf nach vorne geschoben. Hierdurch wird der Hals abgewinkelt, der Schwerpunkt des Kopfes ruht somit auf dem Brustbein und nicht mehr enspannt auf der Hals-Wirbelsäule. Die vordere Halsmuskulatur und Schultermuskulatur wird auf Dauer in Richtung Verkürzung/Verspannung trainiert. Hierdurch können im Laufe der Zeit insbesondere Migräne und Kopfschmerzen entstehen.

Das permanente Sitzen an sich bringt weitere muskuläre Probleme im Hüft-/Beckenbereich mit sich, die sich in Rückenschmerzen und Ischialgien (Schmerzausstrahlung in die Beine) äußern können. Im Extremfall kann sich über Jahre hinweg im Hüftgelenk durch Bewegungsmangel und der damit verbundenen dauerhaften Unterversorgung des Gelenkknorpels mit Nährstoffen eine (Sitz-)Arthrose bilden, die im Anfangsstadium allerdings meist reversibel ist.
Die Bandscheibe wird durch das permanente Sitzen ebenso belastet und wird nach hinten verlagert (Bild).

Angeborene (echte) Beinlängenunterschiede sind sehr selten. Allerdings gibt es zahlreiche Beinlängenunterschiede, die sich aus einem Beckenschiefstand heraus ergeben und Folge einer muskulären Verspannung des Becken-/Hüftbereiches sind:

Der optische Eindruck unterschiedlich langer Beine, der oft diagnostiziert und dann meist fälschlicherweise mit Einlagen therapiert wird, liegt in einem schiefen Becken begründet. Im Regelfall ist der tatsächliche Grund eine einseitige, muskuläre Störung der Hüftbeugemuskulatur. Beide Hüftbeine stehen dann „schief“ zueinander. So ergibt sich ein anderer Austrittswinkel des Oberschenkelknochens aus der Hüfte – hierdurch entsteht der Eindruck unterschiedlich langer Beine.

Nachfolgend ist durch diese ungleiche „Statik“ eine Ausgleichsskoliose der Wirbelsäule (seitliche S-förmige Krümmung) verbunden. Therapiert man die ursächliche Störung an der Hüftbeugemuskulatur  sind beide Beine in vielen Fällen wieder gleich lang und die Skoliose / Störungen verschwinden. Dies kann oftmals innerhalb von Minuten bewirkt werden – wird aber erst dauerhaft anhalten, wenn die Muskelstrukturen anschließend auf geeignete Weise umtrainiert werden (Beweglichkeitskonzept der Biokinematik).

Diese Bilder machen den Zusammenhang transparent und verständlich.

Eine unterschiedliche Beinlänge alleine ist an sich nicht schmerzhaft. Der Körper kann diese problemlos ausgleichen, so wie er diesen Ausgleich auf unebenen Untergründen erreicht. Die Schmerzen ergeben sich tatsächlich durch die muskuläre Blockade von Muskelstrukturen, welche nachfolgend einen Beckenschiefstand erzwingen. In vielen Fällen sind aber beide Körperhälften im Bereich des Beckens und der Beine verspannt / blockiert. Für das Ilio-Sakral-Gelenk bedeutet dies eine Beweglichkeitseinschränkung – es kann sich verklemmen und zu großen Schmerzphänomenen führen, die sich allerdings im Regelfall in der Praxis wieder beheben lassen.

In der Regel kann man sich bei dem wünschenswerten Maß von Beweglichkeit an Kindern orientieren, die noch bewegliche und elastische Strukturen aufweisen. Je nach Alter und Körperbereich sollte man zwischen 25 und 50% der maximalen Gelenkbeweglichkeit auch im höheren Alter besitzen oder beweglich trainieren.

Vor allem durch einseitige Belastungen der Muskulatur kommt es über Jahre zu Beweglichkeitseinschränkungen, die zu anfangs oft unbemerkt bleiben. Die Folgen werden irgendwann später vielfach als (chronischer) Schmerz spürbar.
Auch durch Unfallereignisse kann die Beweglichkeit plötzlich eingeschränkt werden:

Ab einer bestimmten Kraftwirkung wird der Bindegewebsapparat im Muskel blitzschnell aktiviert, um einer Dehnüberlastung oder einem Zerreißen der Muskelfasern entgegenzuwirken. Dieses Bindegewebe ist um ein Vielfaches stärker als der Muskel selbst. Die Muskelfasern werden unbeweglich und schützen den Körper vor weiterer Bewegung und Verletzung. Diese Blockade löst sich nun leider meist nach dem Unfall nicht wieder von alleine auf, da sie unbewusst reflexgesteuert ist. Sie ist palpatorisch tastbar und fühlt sich wie eine stark gespannte, harte Faserstruktur an. Hierdurch kommt es zu Bewegungseinschränkungen und Funktionsdefizite, die in den bereits beschriebenen Muskel-Schmerz-Kreislauf münden.

Derartige Beweglichkeitsdefizite sind mit der dem Konzept der Biokinematik behandelbar – nicht zuletzt auch eine hervoragende Prophylaxe gegen Arthrose.

Das Alter des Patienten spielt übrigens bei der Wiederherstellung der natürlichen Beweglichkeit eine stark untergeordnete Rolle. Mit dem Behandlungskonzept der Biokinematik und den entsprechenden Übungen erzielt man auch im hohen Alter i.d.R. noch wesentliche Verbesserungen der Beweglichkeit.
Viel Freude bei Üben der Beweglichkeit – es lohnt sich !

Bildgebende Verfahren versuchen mit verschiedenen technischen Mitteln den menschlichen Körper möglichst realitätsgenau abzubilden. Während diese Art der Diagnostik bei vielen Erkrankungen sinnvoll für die Therapie sind und insbesondere bei Unfällen oder Krebs von großer Wichtigkeit sind, versagen bildgebende Verfahren bei chronischen, endogen (im Körper selbst) entstandenen Schmerzen fast vollständig.
Gründe:

1) Eine Ursache liegt in der Funktionsweise des Kernspin (MRT) oder der Computer-Tomographie. Nur ein Teil der Bildinformation stammt tatsächlich aus dem menschlichen Körper, der andere Teil wird durch Computer zu einem 2-D oder 3-D Bild ergänzt. Durch die permanente Bewegung (u.a. Atmung) während der Aufnahme liegen aufeinanderfolgende Bilder ebenfalls häufig nicht 100 % in einer Schnittebene, wodurch sich ein falsches Bild und falsche Diagnosen ergeben können. Man spricht hier auf von sogenannten Artefakten.

2) Eine Darstellung des muskulären Zusammenspiels und damit verbundener Störungen sind nicht möglich. Der Anspannungszustand und die Funktion der Muskeln (sowie der Faszien und Bindegewebe) sind einer schnellen Dynamik der Bewegung unterworfen, die mittels einzelner Bilder nicht beurteilbar ist. Deshalb sind diese Verfahren für eine Diagnose und einen Therapieansatz häufig nicht zielführend.

3) Zu häufig werden sichtbare Veränderungen des Muskel-Skelett-Apparates überbewertet. Diese sind oftmals Ausdruck eines körperlichen, autoregulativen Anpassungsprozesses –  beispielsweise durch übermäßig einseitige, sportliche Belastungen. Sie stellen im Regelfall nicht die Ursache chronischer Schmerzen dar.

Beispiel Rückenschmerz (LWS):

Im Falle von Rückenschmerzen ist die regelmässig diagnostizierte Steilstellung der Wirbelsäule regelmäßig die Auswirkung muskulärer Zugkräfte, die mit bildgebenden Verfahren leider nicht ausreichend sichtbar gemacht werden können. Um die muskuläre Ursache wirklich zu diagnostizieren ist stattdessen ein tastendes (palpatorisches) Gespür des Therapeuten sinnvoller. Regelmäßig werden die Strukturen der Muskeln Psoas, Iliacus, Rectus Abdominis, Quadrizeps Femoris hier tastbar verhärtet und blockiert sein. Die Beckenbeweglichkeit ist dann erheblich eingeschränkt. Die Folge sind Rückenschmerzen und Blockierungen des Ilio-Sakral-Gelenkes (ISG). Die Bandscheibe leidet unter dieser dauerhaften Verklemmung der Wirbelsäule und verlagert ihre Position im ungünstigen Fall in Richtung Bandscheibenvorfall.

Ein Umdenken in diesem Bereich könnte das Gesundheitssystem entlasten. Denn bildgebende Diagnostik ist kostspielig und bei chronischen Schmerzen für eine ursachenorientierte Behandlung (zumindest) nicht zum wiederholten Male erforderlich. Eine einmalige Durchführung zu Beginn chronischer Schmerzen ist vielleicht sinnvoll, um schwerwiegende Erkrankungen (z.B. Tumore) diagnostisch auszuschließen. Doch der regelmäßige Einsatz ist im Regelfall eine Fehlentwicklung und eine Falschinterpretation der wirklichen Ursachen.

Dieser Zusammenhang erklärt auch, warum Betroffene häufig von verschiedenen Therapeuten die unterschiedlichsten Bild-Interpretationen erläutert bekommen. Im besonderen gilt dies für angebliche Nervenwurzelreizungen, Facetten-Gelenks-Athrose und Nerveneinklemmungen. Letztere wurden vor einigen Jahren immer wieder als Ursache genannt – mittlerweile ist wissenschaftlich bewiesen, dass Nerven sich ohne äußere Gewalteinwirklung nicht einklemmen können. Nerven liegen sehr geschützt innerhalb des Körpers und sind von der Natur so optimiert worden, dass eine „Einklemmung“ mit körpereigenen Mitteln nicht möglich ist.

Eines der Kernelemente des Therapiekonzeptes der Biokinematik sind spezielle Körperübungen, welche die Wiederherstellung der Muskelfunktion und Beweglichkeit zum Ziel haben.

Rund um die Durchführung und die Folgen dieser Übungen tauchen immer wieder Fragen auf, die an dieser Stelle kurz angesprochen werden:

In der Regel tritt ein bis zwei Tage später ein starker bis sehr starker Muskelkater auf, der nach ca. drei Tagen wieder abklingt. Bei vorbestehenden Beschwerden ist eine Erstverschlimmerung möglich. Diese ist grundsätzlich positiv zu werten, denn sie wird durch die Umbauprozesse und die Neuabstimmung der Muskelgruppen zueinander ausgelöst. Sie stellt eine gute Indikation dar, dass die Therapie anschlägt. Der Mensch ist hier jedoch individuell, so dass eine zu pauschale Aussage unmöglich ist.

Entgegen der allgemeinen Auffassung ist der Muskelkater keine Verletzung von Mikrofasern im eigentlichen Sinn und auch keine Übersäuerung der Muskulatur. Er ist direkte Folge der Wahrnehmung eines Umbauprozesses, bei dem zusätzliche Muskelfaser-Moleküle eingebaut werden. Hierzu sind „Einrisse“ (Sollbruchstellen) in den Muskel-Elementen notwendig sind, die mikroskopisch sichtbar sind. Diese Risse sind insofern vom Körperbewusstsein beabsichtigt. In der Umbauphase ist die Muskulatur noch nicht perfekt aufeinander abgestimmt und so kommt es zu einer Wahrnehmung von Schmerz, bis alle Muskelstrukturen wieder vollständig in das Körperbewusstsein integriert sind.

Die im Rahmen der Biokinematik-Therapie durchgeführten Übungen werden bewusst langsam und ohne „Reißen“ durchgeführt. Da hier auf sehr effektive Weise Umbauprozesse der Muskulatur angeregt werden, ist der nachfolgende Muskelkater meist sehr viel stärker als bei Krafttraining/Fitnessübungen.

Das Behandlungskonzept hat mit Stretching- oder Dehnungstechniken nichts gemeinsam, denn diese Techniken – trotz ihrer Popularität – verändern die Muskulatur nicht. Ein Muskel wächst über Reize und Muskelkater innerhalb von Tagen. Dehnbar sind sowohl Muskel- wie auch Sehnenanteil nicht. Aktueller Stand der wissenschaftlichen Muskel- und Faszienforschung ist seit einigen Jahren, dass Dehnen keine Wirkung hat und Gefahren der „Zerrung“ mit sich bringen kann (Muskelspindelreflex / Muskeldehnungsreflex).


Für mehr Hintergrundinformationen zur Biokinematik ist das Buch „Schmerzfrei durch Biokinematik“ empfehlenswert.

error: